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Für Reas (*1972) ist Software kein Werkzeug, um vorhandene Daten, wie z. B. ein Foto, zu überarbeiten, sondern das Schreiben des Konzeptes und der Software ist das Zentrum des Kunstwerks.
Inspiriert von Sol Le Witt, der für seine berühmten Wandzeichnungen Anweisung in Textform schrieb, die dann von dritten ausgeführt wurden, führt er dessen konzeptionellen Ansatz weiter. Im Falle der Software-Kunst ersetzen generative Software-Abläufe die Ausführung per Hand, die die präzise formulierten Anweisungen des Künstlers umsetzen. Dabei steht der Prozess im Vordergrund gemäß der berühmten Anweisung von Reas: „Definiere einen Prozess und übersetzte ihn in ein Bild“. Das Konzept des Künstlers ist dabei als Text in englischer Sprache verfasst. Raum für Interpretationen gibt es auch hier. Durch die Übertragung in Programmiersprache können dabei je nach gewählter Sprache oder nach der Person, die den Text in ein Bild überträgt, am Ende sehr verschiedene ästhetische Resultate entstehen. Dies hat Reas in seiner Auftragsarbeit {Software}Structures aus dem Jahr 2004 für das Whitney-Museum untersucht (zu finden unter: http://artport.whitney.org/commissions/softwarestructures/ ).

In den Process-Serien erforschte er das Verhältnis zwischen sich natürlich entwickelnden und künstlichen Systemen. Aus präzisen mechanischen Strukuren entstehen organische Formen. Die Bilder visualisieren Systeme in Bewegung oder in Ruhestellung. Die Software-Arbeiten setzt Reas in verschiedenen Medien wie Projektionen, Bilder oder Skulpturen im Raum um. Jedes Material streicht einen anderen Aspekt der Software heraus.


Anweisungen für Process 13: Halbiere eine rechteckige Fläche und definiere eine Trennlinie als Ursprung für eine große Anzahl an Elementen 1. Wenn sich jedes Element über die Oberfläche hinaus bewegt, bringe seine Position zurück an den Ursprung. Zeichne eine Linie von den Mittelpunkten der Elemente, die sich berühren. Setze den Wert der kürzesten Linie als Schwarz und den der längsten Linie als Weiß mit verschiedenen, die Werte dazwischen repräsentierenden Grautönen.

(dabei entspricht Element 1 aus der Library: Form: Circle + Behaviour: Move in a straight line + Constrain to surface + Change direction while touching another Element + Move away from an overlapping Element)

Ausgeführt von Casey Reas
Herbst 2009, Sommer 2010
Processing 1.0


„Während der letzten sieben Jahre habe ich das System von Formen, Verhalten, Elementen und Prozessen kontinuierlich neu definiert. Es ist eine eigentümliche Schein-Wissenschaft, die sich zwischen der Geschichte der Mathematik und der Generation des künstlichen Lebens bewegt. Das Phänomen des Sichtbarwerdens ist der Kern meiner Untersuchung, jedes Kunstwerk baut auf den vorhergehenden Arbeiten und liegt dem nächsten zugrunde.“
Casey Reas aus dem Katalog „Process Compendium 2004-2010“

     



Für ihre Open-Source-Software Processing, die inzwischen an zahlreichen Kunstuniversitäten gelehrt wird, wurde Casey Reas 2005 zusammen mit Ben Fry mit dem Golden Nica der Ars Electronica ausgezeichnet. Er hat international ausgestellt u. a. im Victoria & Albert Museum, Institute for Contemporary Art (London), New Museum for Contemporary Art (New York), NTT ICC (Tokyo),  Künstlerhaus Wien, LAboral Gijon, ZKM (Karlsruhe), Zendai Museum of Modern Art in Shanghai, Telic (Los Angeles), BANK (Los Angeles), Eyebeam (New York), CCCB (Barcelona), STUK (Leuven), National Museum for Art, Architecture and Design (Oslo).
Reas lebt und arbeitet in Los Angeles, dort ist er auch Professor für Bildende Kunst an der University of California.