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![]() Weitere Bilder "Auf der Suche nach einer visuellen Basis, fing ich an, Serien zu entwerfen. Ich benützte sehr einfache Regeln der Kombinatorik und einige ebenfalls sehr einfache geometrische Formen und führte, Schritt für Schritt, kleine Modifikationen ein, entweder in der Proportion des Basiselementes oder in der Weise des Zusammenfügens. Mein Ziel war es nicht, eine beliebige Menge von Bildern zu erarbeiten; diese Serien haben in der Weise Sinn, dass ich da eine Möglichkeit habe, visuelle Situationen, die sich sehr ähnlich sind, nebeneinander zu stellen und zu erproben. Diese Vergleiche meiner Bilder untereinander stellen auch meine Freunde an, die sich dafür interessieren, denn ich arbeite ja für sie. Die Frage ist, ob man hier und da durch dieses Nebeneinandersehen eine wesentliche Änderung, eine eigenartige visuelle Situation findet, die man Kunst nennen könnte. Das grundlegende Problem meiner ganzen Tätigkeit besteht darin, diese Erscheinung, diese ‚Epiphanie’ des Phänomens Kunst zu erfassen. Die serielle Arbeit ist wie ein visueller Dialog zwischen Maler und Gemaltem. Alle Etappen einer solchen Serie sind natürlich keine Kunstwerke im traditionellen Sinn. Es sind Proben, es sind Etappen einer malerischen Forschung. Ich akzeptiere immer nur einen sehr kleinen Prozentsatz dieser visuellen Möglichkeiten. In meinen Augen hat meine ganze Arbeit einen hypothetischen Charakter. Um meine Forschungsserien wirklich systematisch zu verarbeiten, verwendete ich zunächst eine Technik, die ich machine imaginaire nannte. Ich stellte mir vor, ich hätte einen Computer. Ich entwarf ein Programm, und dann, Schritt für Schritt, realisierte ich einfache, begrenzte Serien, die aber in sich abgeschlossen waren, also keine einzige Formkombination ausließen. Sobald es mir möglich war, ersetzte ich den Scheincomputer, die ausgedachte Maschine, durch einen echten Computer. Zur Vermeidung einer falschen Interpretation meines Verfahrens möchte ich betonen, dass zwar ein großer Teil meiner Arbeiten mit Hilfe eines Computers entworfen und oft auch ausgeführt werden; aber ob diese Arbeiten irgendeinen oder überhaupt keinen Wert haben, dafür ist der Computer nicht verantwortlich. Diese Maschine, so beeindruckend sie ist, ist doch nur ein Instrument in der Hand des Malers. Ich benütze den Computer, um Formen miteinander zu kombinieren, in der Hoffnung, dass dieses Werkzeug mir erlaubt, mich von Gelerntem, kulturell Ererbtem und, was mich sonst umgibt, zu distanzieren, kurz, von den uns prägenden Zivilisationseinflüssen. Dank seiner großen Kombinationsmöglichkeiten verhilft der Computer zu systematischen Forschungen im visuellen Bereich, hilft dem Maler, sich von kulturellen ‚Readymades’ zu befreien und Formkombinationen zu finden, die man nie zuvor gesehen hat, weder in der Natur, noch im Museum: Er hilft, unvorstellbare Bilder herzustellen. Der Computer hilft, aber er ‚macht’, er ‚gestaltet’, er ‚erfindet’ nichts. Um ein anderes Missverständnis zu vermeiden, möchte ich noch etwas unterstreichen: Dass etwas neu ist und noch nie gesehen wurde, garantiert in keiner Weise die ästhetische Qualität. War die Abbildung eines jungen Mannes mit lockigem Haar – das Selbstportrait Dürers um 1500 – neu? Meine Arbeiten entstehen immer aus einfachsten geometrischen Formen. Diese Wahl hat ihre eigentliche Ursache in meinem persönlichen Geschmack: Ich mag die formale Strenge und die Sparsamkeit der Geometrie, ich mag die rationale Reinheit der Mathematik. ‚Die Natur kann sich Verschwendung in allem erlauben, der Künstler muss bis ins letzte sparsam sein’, sagte Paul Klee; das ist auch meine Auffassung." V. Molnar [Der Text ist erstmalig erschienen in Vera Molnar. Lignes, Formes, Couleurs, Kat. Ausst. Vasarely Múzeum, Budapest 1990, S. 16 f.] |
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