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Internationale Gruppenausstellung

Ausstellung: 2. Februar – 24. März 2010
Eröffnung: Samstag, den 30. Januar 2010, 16 –
18 Uhr
France Cadet wird bei der Eröffnung anwesend sein.
Die Ausstellung ist Teil des Programms der transmediale.10 Futurity
now!
France Cadet, F, Objekte, Skulptur, Zeichnung
Todd Deutsch, USA, Fotografie
Mark Essen, USA, Computerspiel
Joan
Leandre, ES, Digital Video Collage (Projektion)
Jason Rohrer, USA,
Computerspiel
Tale of Tales, B, Computerspiel
Die Ausstellung zeigt erstmals in Berlin
internationale künstlerische Positionen zu dem Thema Computerspiele und
elektronisches Spielzeug. Das Spektrum umfasst interaktive, von
Künstlern entwickelte Computerspiele, eine Filmcollage aus modifizierten
Sequenzen kommerzieller Spiele sowie kleine Tierroboter. Zudem sind
vier Arbeiten aus einer Fotoserie zu sehen, die Jugendliche während
einer LAN-Party zeigen.
Die Branche kommerzieller Computerspiele
boomt und elektronisches Spielzeug ist für Kinder eine
Selbstverständlichkeit geworden. Das Thema gewinnt gesellschaftlich
immer größere Bedeutung. Seit einigen Jahren widmen sich auch Künstler
verstärkt diesem Thema, setzen sich mit der Ästhetik und dem Inhalt
kommerzieller Spiele kritisch auseinander oder entwickeln alternative
Spielkonzepte.
Spielen als eine der ursprünglichsten
Tätigkeiten des Menschen bedeutet experimentieren, erfahren, sich in
andere Welten versetzen, andere Identitäten annehmen. Dies hat die
Menschen schon immer fasziniert und jede Epoche brachte eigene Spiele
hervor. Heutzutage spielen Millionen Menschen Computerspiele. Für einen
großen Anteil der jüngeren Generation sind sie ein fester Bestandteil
der Kindheit und ein maßgeblicher Faktor der Sozialisierung. Das
Spektrum der Themen umfasst sämtliche Bereiche menschlichen Daseins. Das
Bild vom isolierten Spieler ist Vergangenheit: In LAN-Parties und
Online-Spielen nehmen mehrere Spieler, auch in Gruppen, an einem Spiel
teil.
Das erste kommerziell erfolgreiche Computerspiel war Pong von
Atari aus dem Jahr 1972. Seitdem wächst die Branche kontinuierlich. Die
Umsätze der Spieleindustrie haben international hohe Zuwachsraten. Im
Jahr 2001 übertrafen sie in den USA mit einer Höhe von 9,4 Milliarden
US-Dollar erstmalig die Umsätze der Filmindustrie mit 8,35 Milliarden
US-Dollar (manager-magazin.de, 09.08.2002).
Die Ausstellung zeigt
internationale künstlerische Positionen, die das Thema Computerspiele
aus verschiedenen Richtungen beleuchten.
Mit der Manipulation von
Software, in diesem Fall von kommerziellen Computerspielen, arbeitet
Joan Leandre. In dem Film In the name
of Kernel Series – Lonely Record Sessions Sequenzen setzt er Sequenzen
von Ego-Shooter-Spielen, aus denen er sämtliche Personen entfernte,
assoziativ zu einer Film- und Soundcollage zusammen. Er sagt über die
Arbeit: „... die künstliche Verkörperung von Natur in Welten, in denen
Vernunft abhanden gekommen ist. Die Betrachtung von Ruinen.“
Aus dem
Bereich der von Künstlern entwickelten Computerspiele werden junge
Positionen gezeigt, die international bereits mehrfach ausgezeichnet
wurden. Die Arbeiten von
Jason Rohrer stehen in der Tradition der einfachen Ästhetik und eingeschränkten
Interaktivität früher Computerspiele. In den Spielen behandelt er die
komplexen und hintergründigen Aspekte menschlichen Daseins. Die Spiele
von des Künstlerpaares
Tale of Tales sind ebenfalls in ihrer Interaktivität stark reduziert. Das Spiel
The Graveyard setzt in einer
Szenerie in Schwarz-Weiß den üblichen Actionspielen eine Reflektion über
das Alter entgegen.
Mark Essen
entwickelt schnelle Actionspiele mit ungewöhnlicher Steuerung und
absurdem Humor – die Ausstellung zeigt ein Arbeit zum Thema Organhandel.
Todd Deutsch hat in seiner Serie
Gamers Jugendliche während einer
zweitägigen LAN-Party fotografiert, zu der die Teilnehmer Computer,
Schlafsäcke und Essen mitbringen, um in einem riesigen Raum über ein
Netzwerk verbunden Computerspiele zu spielen.
France Cadet verwandelt kleine
Roboter-Spielzeughunde in interaktive Tierskulpturen und Wandtrophäen.
Sie untersucht das Verhalten von Mensch und Tier und setzt sich mit der
künstlichen Erzeugung von Leben sowie mit den Nebeneffekten des Klonens
auseinander.
Biografische Daten der Künstler:
France Cadet (*
1971), lebt und arbeitet in Aix-en-Provence, Frankreich. Ergänzend zu
ihrer künstlerischen Ausbildung an der Kunsthochschule in
Aix-en-Provence studierte sie Ingenieurswissenschaften mit Schwerpunkt
Elektronik. Heute unterrichtet sie Robotik and der Kunsthochschule in
Aix-en-Provence. Ihre Arbeiten wurden gezeigt u. a. in LAboral, Gijon;
La Vilette, Paris; Palais de Tokyo, Paris; Ars Electronica, Linz sowie
in diversen Institutionen in Japan, Korea, Spanien, Brasilien. Sie
erhielt den ersten Preis des VIDA 6.0, Madrid, und des Digital Stadium
Awards in Tokio. Das Museum für zeitgenössische Kunst MEIAC in Badajoz,
Spanien, erwarb eine ihrer Roboter.
Todd
Deutsch (*1969) lebt und arbeitet in Minneapolis, USA. 1996
erhielt er seinen Master of Fine Arts an der Cranbrook Academy of Art,
Bloomfield Hills, Michigan. In seinen fotografischen Arbeiten
beschäftigt er sich mit Familien, männlichen Jugendlichen und deren
Spielkulturen. Er ist regelmäßig in Ausstellungen vor allem in den USA
vertreten und erhielt in den letzten 10 Jahren regelmäßig Auszeichnungen
im Bereich Fotographie. Seine Arbeiten sind u. a. in folgenden
Sammlungen vertreten: Walker Art Center, Minneapolis; Museum of
Contemporary Photography, Chicago, Illinois; Trisescuela de fotografia,
Montevideo, Uruguay.
Mark Essen (*1986) lebt und arbeitet in Los Angeles, USA. Er hat das Bard College
in New York mit einem BA in Film and Electronic Arts abgeschlossen und
ist Spiele-Entwickler. Seine Spiele werden weltweit auf Kunstfestivals
präsentiert. 2009 wurde eine seiner Arbeiten in der Ausstellung Younger
Than Jesus im New Museum in New York gezeigt.
Joan Leandre (*1968)
lebt und arbeitet in Barcelona, Spanien. Er studierte Kunst an der
Escola Massana, Barcelona und ist seit 1993 Mitglied der OVNI Archives
(Observatory of Non Identified Video); er arbeitet mit der Manipulation
von Software. Seine Werke werden international ausgestellt, u. a. im
Centre Georges Pompidou, Paris; El Museo Nacional Centro de Arte Reina
Sofia, Madrid; ZKM, Karlsruhe; iMAL, Brüssel; NTT Inter Communication
Center (ICCI), Tokio; Hartware MedienKunstVerein, Dortmund; Ars
Electronica, transmediale, Whitney Biennale, Biennale Moskau
Joan Leandre (*1968) lebt und arbeitet
in Barcelona, Spanien. Er studierte Kunst an der Escola Massana,
Barcelona und ist seit 1993 Mitglied der OVNI Archives (Observatory of
Non Identified Video); er arbeitet mit der Manipulation von Software.
Seine Werke werden international ausgestellt, u. a. im Centre Georges
Pompidou, Paris; El Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid;
ZKM, Karlsruhe; iMAL, Brüssel; NTT Inter Communication Center (ICCI),
Tokio; Hartware MedienKunstVerein, Dortmund; Ars Electronica,
transmediale, Whitney Biennale, Biennale Moskau
Jason Rohrer (*1977) lebt und arbeitet
in Potsdam im Staat New York, USA. Er hat an der Cornell University den
BS und MEng in Informatik erworben und arbeitet als freier
Programmierer und Kritiker. Seine Spiele wurden international auf
Festivals und Kunstausstellungen gezeigt. Gravitation wurde mit dem
Jury-Preis des IndieCade ausgezeichnet, Between erhielt 2009 den
Innovation Award des Independent Games Festival.
Das
Spielentwicklungs-Studio Tale of Tales
BVBA wurde 2002 in Belgien von Auriea Harvey und Michaël Samyn
gegründet. Die Spiele wurden auf internationalen Ausstellungen
präsentiert. Der Name knüpft an ein Buch von Giambattista Basile an –
eine Sammlung von Volkserzählungen, die bis dahin nur mündlich
überliefert worden waren.